HÖRNERV # 323 Mi., 3. Juni 2020

HÖRNERV # 323 Mi., 3. Juni 2020

Ein Trip in die wilden spätsiebziger Jahre mit der Musik von

JOE STRUMMER & THE CLASH

Joe Strummer in Action

Joe Strummer in Action

(Die Sendung könnt ihr ab Mittwoch Abend in der Mediathek von radio x als Podcast (Rubrik +7) für die nächsten 7 Tage wieder hören und weiter empfehlen.)

Die Playlist:

01. THE CLASH – Capital Radio Two
02. THE CLASH – Janie Jones (1977)
03. THE CLASH – Career Opportunities (1977)
04. THE CLASH – Pressure Drop (1977)
05. JOE STRUMMER – Ride your donkey (001)
06. JOE STRUMMER – Lets a get a bit a rockin´(001) VÖ 2018
07. THE CLASH – Revolution Rock (London Calling VÖ 1979)

The Clash

The Clash

JOE STRUMMER & THE MESCALEROS – Album Global A – gogo VÖ 2001)
08. Cool´n´out
09. Bhindi Bhagee

THE CLASH live at Shea Stadium New York City (VÖ 2018?)
10. Armagidion time
11. Magnificent Seven

12. THE CLASH – Police & Thieves (1977)
13. THE CLASH – I´m so bored with the USA (1977)

Ich lade euch ein auf einen Trip in die wilden spätsiebziger und Anfang 1980er Jahre mit der Musik von JOE STRUMMER & THE CLASH.

Es ist eher ungewöhnlich, dass ich meine Sendung “Rock-Dinos” widme, die schon allseits bekannt sind. Mein Focus gilt doch mehr der regionalen Musikszene. Heute gibt es also eine Ausnahme mit einem kleinen Special über Joe Strummer, dem Sänger und Gitarristen von von THE CLASH. Für viele eine Rocklegende und weit mehr als nur ein PunkRock Super Star. joe-strummer-101
John Graham alias Joe Strummer erblickte das Licht der Welt 1952 in Ankara in der Türkei. Er wurde als Sohn eines britischen Diplomaten geboren und entwickelte sich zum Rock Rebel. Schon im Internat verkündete er, dass er eines Tages Popstar sein würde. Strummer war schon 21/22 Jahre alt als er mit dem Gitarre spielen begann. Er entwickelte sich schnell zu einem fantastischen Spieler der Rythmusgitarre. Songtexte entwickelte er innerhalb von 30 Minuten auf der Schreibmaschine. Zusammen mit den Musikerkollegen Paul Simonon (Bass, Voc.), Mick Jones (Gui. u. Voc.), Terry Chimes (Dr.) gründeten sie Ende Mai 1976 THE CLASH. Knapp zwei Monate später gaben sie ihr erstes Konzert in London als Vorgruppe der Sex Pistols. Ein Jahr später hatten sie mit CBS-Records einen Plattenvertrag. 1977 erschien das Debüt-Album mit 14 Songs.

Damals wie heute gilt: Um ein Album richtig zu promoten gehört auch eine Tournee dazu.
Man schipperte über die Nordsee und so kam es, dass THE CLASH auf ihrer ersten Deutschlandtournee am 5. Oktober 1977 im Volksbildungsheim am Eschenheimer Turm in Frankfurt gastierten. Auch für mich war alles neu. Das war für mich – im Alter von 14einhalb Jahren – das erste internationale Livekonzert. 8 Mark und 80 Pfennig kostete der Eintritt in eine andere Welt.
Die damalige Frankfurter Tageszeitung „Abendpost“ veröffentlichte am nächsten Tag folgende Konzertkritik.

 

„Nichts als Krach und Pannen“ Punk-Rock Konzert in Frankfurt.

Die neue Rock´n´Roll-Welle England schwappt langsam auch auf den Kontinent. Erst wagte sich die Punk-Rock-Gruppe „The Stranglers“ nach Deutschland. Ihr Konzert wurde ein Reinfall. Der Mittwoch im Volksbildungsheim sah den zweiten Versuch. Wilde Gerüchte und Pannen begleiteten den geplanten Auftritt der englischen „Clash“. Eine Stunde vor Beginn war noch keine Hallenmiete gezahlt, wie es hieß. Die Gruppen standen vor der leeren Bühne. Hernach dauerte es bis weit über die Zeit, bis die Anlage stand. Ungefähr 300 Fans drängelten sich unter der Treppe zum Saal. Erste Gruppe auf der Bühne: „Die Straßenjungs“. Sie brachten deutsche Texte und harten Rock´n´Roll. Die Jungs machen einen chaotischen Krach. In der Pause geht’s dann los. Weil zu einem Punk-Konzert auch eine Keilerei gehört bieten prompt einige Rocker das Vergnügen, bis die Polizei kommt. Die Schuldigen sind nicht mehr zu finden, der Krawall löst sich in Wohlgefallen auf. Die Jungs von „Clash“ geben sich keine Mühe musikalisch auf ihr Publikum einzugehen. Die Verstärker sind noch mehr als üblich aufgedreht, die Musik ist nur noch im Foyer zu ertragen. Was sie spielen ? Etwas zwischen Elefantenherde und Tellerzerschlagen.“

Wieder so´n Kritiker. Für mich war´s das spannendste Konzert meines Lebens mit unvergesslichen Eindrücken.

Auch wenn´s geschmacklich vielleicht nicht ganz so gut an kommt, will ich euch doch nicht um eine wichtige Information zum CLASH-Konzert im Volksbildungsheim bringen. Es passierte etwas womit ich im Leben nicht gerechnet hatte und sich bis heute nie mehr wiederholt hat. Statt großen Beifall rotzte man sich lieber an. Erst waren es 2-3 Punks die begannen aus 5 Meter Entfernung auf die Musiker zu rotzen, dann rotzten THE CLASH zurück und plötzlich fing der ganze Saal an zu rotzen. Mich traf ein gezielter Strahl aus dem Hals vom Bassplayer Paul Simonon über dem linken Auge und dann war ich mit dabei – beim größten Punk-Rock-Rotz-Event aller Zeiten. Wohlgemerkt – hinter den Speichelattacken stand nicht Frust sondern Freude, Respekt und Anerkennung für ihre Pioneer-Arbeit im Punk. Wahre Liebe ohne Konventionen eben. Das Konzert hatte mehr als 3 Stunden Verspätung weil THE CLASH aus Frankreich kommend im Stau gestanden hatten.

Wegen Streitigkeiten über das Management löste sich die Band – wie so oft – auf dem Höhepunkt ihrer Karriere im Herbst 1985 auf. Danach veröffentliche Joe Strummer Soloalben und gründete seine Band JOE STRUMMER & THE MESCALEROS.
Hören wir JOE STRUMMER mit seiner unplugged Version von „Lets a get a bit a rockin´“ vom Album 001 und Revolution Rock von CLASH´S bekanntesten und erfolgreichsten Album „London Calling“ aus dem Jahr 1979.

Mit dem Erfolg von London Calling wurde die ehemalige Punk-Rock-Band wohl oder übel auch Part der Pop-Musik-Welt. Das entzweite ihre Fans. Manche kehrten den Rücken, Neue kamen dazu. Doch sie blieben in aller Munde.

Joe Strummer´s Instrument war eine Fender Telecaster Gitarre, die er in einer Einzigartigkeit bediente. Klar – dank Punk-Musik – nur mit wenigen Akkorden aber dafür umso heftiger und schneller geschlagen. In den Anfangstagen des Punk-Rock waren die viele Songs nicht länger als eine Minute dreißig. Wichtig neben der Musik war das gesamte Szenenbild. Neues Outfit, wilde Frisur, Stecknadeln durch die Wange gezogen und natürlich die Anti-Haltung gegen das Establishment.

Strummer lebte zu Beginn seiner Musikerkarriere in der Londoner Hausbesetzerszene., setzte sich gegen Atomkraft, für Umweltschutz und soziale Ungerechtigkeiten ein, spielte mit THE CLASH Konzerte für Rock against Racism – dem Vorläufer der Rock gegen Rechts-Festivals in Deutschland. Im April 1978 spielten sie mit weiteren englischen Bands des Londoner Undergound – zu denen damals auch die Dire Straits zählten – vor etwa 70 – 80.000 schwarzen und weißen Rockfans.

Im englischsprachigen Internet existieren Filmaufnahmen aus dieser Zeit. Natürlich auch zu Joe Strummer & The Clash.
Nach dem Ende der Clash-Ära veröffentlichte Joe Strummer zunächst 1989 sein Solo Album „Earthquake Wheather“, später war er vorübergehend Sänger der anglo-irischen Folkpunker von The Pogues und brachte sich auch das Piano spielen bei. Das Album Global A Go-Go war sein letztes Album.
Nicht alle Songs konnte er komplett zurück lassen. Trotzdem handelt es hierbei um ein erstaunliches Werk, einer Weiterentwicklung in der Weltmusik. Überhaupt hatte sich Joe Strummer mit fortschreitender Karriere mehr der Folkmusik zugewandt. Völlig unerwartet verstarb Joe Strummer am 22. Dezember 2002 – im Alter von 50 Jahren – an Herzversagen in Somerset in England. 2018 wurde das durchaus hörenswerte Doppelalbum „Joe Strummer 001“ mit bislang unbekannten 32 Songs veröffentlicht. Facettenreich, großes Songwriting, persönlich und immer eine fette Ladung Blues, Western, Folklore und Rock´n´Roll mit im Gepäck.

Das was mir mit am meisten in der Corona-Krise fehlt sind die Live-Konzerte, denn Rockmusik – das weiß jedes Kind – hört man laut ! Erst wenn der Klang der Instrumente den gesamten Körper trifft, deinen Body quasi durch Druckwelle massiert, ist es perfekt.

Wir können uns gerne wieder hören am Mi., 17. Juni : Hörnerv-Kulturjournal mit Ben & Niels.

Kontakt: Bernd@VirusMusik.de

Stay tuned ! Ben vom Hörnerv

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